Wissen Sie, was das ist?

- ein Beitrag von IGV-Vereinsmitglied Matthias Dumpf -



Vielleicht haben Sie dieses „Rohr mit Kappe“ schon einmal bei Ihren Spaziergängen rund um Venekoten entdeckt? Es handelt sich um eine Messstelle, mit deren Hilfe die Höhe des Grundwasserspiegels gemessen werden kann.

Warum muss in unserer Region die Höhe des Grundwasserspiegels regelmäßig gemessen werden?

In ca. 30 Kilometer (Luftlinie) Entfernung von Venekoten befindet sich der Braunkohletagebau „Garzweiler“. Hier wird die Braunkohle im Tagebau abgebaut und verstromt (hier werden ca. 15% des Stromverbrauchs in NRW produziert). Die Kühltürme der Kraftwerke sind schon aus vielen Kilometern Entfernung zu sehen.

Das Abbaugebiet erstreckt sich über rund 112 qkm (die Stadt Mönchengladbach hat eine Fläche von 170 qkm) und ist bis zu 210 Meter tief. Jährlich werden zwischen 175 und 225 Millionen Tonnen Material abgebaut, davon 35 bis 40 Millionen Tonnen Braunkohle. Dieses Riesenloch würde normalerweise voll Wasser laufen, wenn der Betreiber „RWE Power“ nicht mit riesigen Anlagen das Wasser abpumpen würde (jährlich ca. 580 Millionen Kubikmeter Wasser).

Dieses Vorgehen hätte normalerweise zur Folge, dass in einem großen Umkreis der Grundwasserspiegel dramatisch absinken würde. Da die Wurzeln der normalen Vegetation aber nur selten bis zum Grundwasserspiegel reichen - sie nehmen fast ausschließlich nur in oberen Erdschichten gespeichertes Regenwasser auf - wäre der niedrigere Grundwasserspiegel für die Vegetation kein Problem.

Eine Ausnahme bilden aber die Niederungen von Flüssen, wo das Grundwasser sehr nahe an der Oberfläche steht. Sie können durch die tagebaubedingte Grundwasserabsenkung trockenfallen, was für schützenswerte Feuchtgebiete, wie zum Beispiel unseren Schwalmbruch (die Gebiete rechts und links von der Schwalm und der Venekotensee), verhindert werden muss.

Deswegen versorgt die Wasserwirtschaft von „RWE Power“ solche Bereiche über ein weit verzweigtes unterirdisches Rohrnetz (ca. 1.000 km lang) aus zwei Öko-Wasserwerken in Jüchen und Mönchengladbach-Wanlo. Das Wasser wird meist in der Nähe der Feuchtgebiete ins Erdreich versickert. Es vermischt sich auf dem Weg zu den Biotopen mit Niederschlagswasser und hält den natürlichen Grundwasserspiegel in dem Gebiet aufrecht. Die unterirdische Wasserpipeline in unserem Gebiet endet kurz vor Venlo. Der Versickerungsbrunnen für unser Gebiet befindet sich ca. 5 Kilometer von Venekoten im Meinweggebiet.

Um diesen Vorgang ständig überprüfen zu können, sind in unserem Gebiet mehrere dieser Messstellen, wie auf dem Foto oben, eingerichtet worden. Am Aussichtsturm „Wacholder Heide“ hängen Informationstafeln, auf denen der Vorgang der Wassereinspeisung visualisiert ist.

Falls Sie einmal den Braunkohletagebau besichtigen möchten, habe ich HIER noch einen Link aufgeführt, aus dem Sie die Anfahrt-Beschreibung entnehmen können. Die Anfahrt dauert ca. 35 Minuten (ca. 40 Kilometer).

Zum Schluss noch etwas zu unserem „Elmpter Schwalmbruch“:

Das Naturschutzgebiet „Elmpter Schwalmbruch“ gehört zu den schützenswertesten Gebieten in ganz Nordwest-Deutschland! Der Wasserreichtum und die nährstoffarmen Böden sorgen für eine große Biodiversität (Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren). Der hier vorhandene Wasserbestand setzt sich aus Regenwasser und aus nach oben gedrücktem Grundwasser (z.B. Venekotensee) zusammen.

Das Grundwasser, welches hier zu Tage tritt, durchdringt eine dünne Braunkohlenschicht, was dazu führt, dass das Wasser in den kleinen Bächen und Entwässerungsgräben oft bräunlich eingefärbt ist. Gut zu sehen an dem kleinen Bach, der 200 Meter westlich vom Venekotensee in die Schwalm mündet.

Sollten Sie mehr Informationen zu diesem Thema wünschen, schreiben Sie mir gerne eine E-Mail (ma-dumpf@t-online.de).

Mit nachbarschaftlichen Grüßen

Matthias Dumpf

© Fotos und Text Matthias Dumpf

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